Titel der Studie: Transmission of agression through imitation of aggressive models

Autor/en der Studie: A. Bandura, D. Ross und S. A. Ross

Datum: 1961

Original Quelle (Journal): Bandura, A., & Huston, A. C. (1961). Identification as a process of incidental learning. The Journal of Abnormal and Social Psychology, 63 (2), 311.

 

  • In Deutschland ist die Studie auch als das Bobo Doll Experiment bekannt.
  • Bei dieser Studie handelt es sich um eine Studie zum Thema der Entwicklungspsychologie.
  • Die Studie basiert auf der ’social learning theory‘, die besagt, dass das soziale Lernen (Verhaltensweisen) durch stellvertretendes Lernen erlernt werden kann.
  • Das stellvertretende Lernen basiert auf der Beobachtung des Verhaltens anderer.
  • Das Ziel der Studie war zu belegen, dass Lernen durch das reine Beobachten eines Modells erfolgen kann und auch ohne, dass das Modell vorhanden ist.
  • Das Experiment fand an der Stanford University statt, wo Bandura als Professor tätig war.
  • Im Experiment wurden Kinder (36 Jungen und 36 Mädchen im Alter von drei bis sechs Jahren) aus dem Kindergarten der Stanford University getestet.
  • Die Kinder wurden zunächst hinsichtlich ihrer Aggressivität beobachtet und bewertet. Darauf basierend konnten die Kinder in Gruppen mit einem ähnlichen Maß an aggressivem Verhalten eingeteilt werden.
  • Es wurden jeweils 24 Kinder in das Studienbedingungen „aggressive Modell“, in „das nicht aggressive Modell“ und in „kein Modell“ eingeteilt und differenziert.
  • Die drei Forscher stellten vier Hypothesen auf:
    • 1: Kinder, die einem aggressiven Modell ähnelten, zeigen mehr nachahmende aggressive Handlungen als die anderen Kinder.
    • 2: Kinder, die einem nicht aggressiven Model ähnelten, zeigen weniger aggressives Verhalten als die Kinder mit einem aggressiven Modell oder denen, die keinem Modell ähnelten.
    • 3: Jungs zeigen mehr nachahmende aggressive Handlungen auf als Mädchen.
    • 4: Kinder ahmen das Verhalten eines gleichgeschlechtlichen Modells stärker nach.
  • Versuchsbedingungen: Die Kinder wurden einzeln mit einem Spielzeug zehn Minuten lang in einen Raum geführt. Jedes Kind nahm an einer experimentellen Bedingung teil.
    • 1: Die Kinder sahen zu, wie sich ein männliches oder weibliches Modell aggressiv gegenüber einer Bobo-Puppe verhielt. Das Modell griff die Puppe aggressiv an (z. B. mit einem Hammer, warf sie in die Höhe oder schrie diese an).
    • 2: Die Kinder sahen zu, wie sich ein männliches oder weibliches Modell nicht aggressiv gegenüber der Bobo-Puppe verhielt und ruhig mit ihr spielte.
    • 3: Die letzten 24 Kinder wurden als Kontrollgruppe verwendet und wurden keinem Modell ausgesetzt.
  • In der zweiten Phase des Experimentes wurden alle Kinder zehn Minuten lang einzeln in ein Zimmer mit attraktiven Spielsachen gebracht. Sobald das Kind anfing mit ihnen zu spielen, kam jemand rein und sagte dem Kind, dass das die allerbesten Spielsachen seien und dass er sie für die anderen Kinder reservieren würde. Dadurch wurden die Kinder einer leichten Aggressionserregung ausgesetzt.
  • In der dritten Phase des Experimentes wurden die Kinder einzeln in einen Raum mit einigen aggressiven (ein Hammer, Bobo-Puppe, Dartwaffen) und nicht aggressiven Spielsachen (ein Teeservice, Buntstifte, drei Bären) gebracht.
  • Das Verhalten der Kinder wurde innerhalb von 20 Minuten in Abständen von fünf Sekunden bewertet.
    • Es zeigte sich, dass Kinder, die ein aggressives Verhalten beobachtet hatten, weitaus mehr nachahmende aggressive Verhaltensweisen zeigten als die Kinder der Kontrollgruppe oder die Kinder, die ein nicht aggressives Verhalten beobachtet hatten.
    • Kinder, die einem aggressiven Modell ähnelten, zeigten eine signifikant stärkere Nachahmung von aggressiven Verhalten.
    • Die Daten zeigen, dass die Jungen eher dazu neigten körperliche Aggressionen zu imitieren. Dabei gab es keine Unterschiede in der Nachahmung der verbalen Aggression, welche nicht geschlechtsspezifisch ist.
    • Jungen imitierten eher gleichgeschlechtliche Modelle als Mädchen.
  • Fazit: Kinder ahmten aggressive oder nicht aggressive Verhaltensweisen von erwachsenen Modellen nach, auch wenn das Modell selbst nicht vorhanden war. Demnach können Kinder durch Beobachten ein bestimmtes Verhalten erlernen. Darüber hinaus wurde das von männlichen Erwachsenen modellierte Verhalten eher nachgeahmt (körperliche).

 

 

Quellen: 

McLeod, S. A. (2014):  Bobo doll experiment. In: Simply Psychology. URL:  https://www.simplypsychology.org/bobo-doll.html. (Abruf 15.12.2019).

Bandura, A., & Huston, A. C. (1961): Identification as a process of incidental learning. In: The Journal of Abnormal and Social Psychology, 63 (2), 311. URL: http://psychyogi.org/bandura-1961/. (Abruf 15.12.2019).

Bandura, A., Ross, D., & Ross, S. A. (1961): Transmission of aggression through imitation of aggressive models. In: Educational Psychology in context. Readings for future teachers. SAGE Publications, Thousand Oakes, 57-66. URL: http://psychyogi.org/bandura-1961/. (Abruf 15.12.2019).

Nolen, J. L. (o. J.): Bobo doll experiment. URL: https://www.britannica.com/event/Bobo-doll-experiment. (Abruf 15.12.2019).

 

 

Dies ist ein Gemeinschaftsprojekt der Studiengruppen Psychologie (PSY29) und Crossmedia & Communication Management (CC17). Zuständige Professoren: Prof. Dr. Katherine Bruns und Prof. Patrice Kunte.